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35 Jahre Institutsgeschichte

Soziokultur, Begegnungsstätten, Partizipation – in der Sozialforschung der 1980er Jahre fand ein spürbares Umdenken statt. Nach dem Ausbau der sozialen Infrastruktur in den 1960er und 1970er Jahren verlagerte sich die Perspektive auf Ansätze der Graswurzeldemokratie. Staatlich-hierarchische Großprojekte verloren an Zustimmung, während dezentrale und selbstverwaltete Strukturen immer wichtiger wurden. Die Sozialforschung in dieser Zeit untersuchte intensiv, wie soziale Netzwerke und bürgerschaftliches Engagement im Sinne des Subsidiaritätsprinzips staatliche Fürsorge durch selbstbestimmte Interventionen ersetzen kann.

Diesem Erkenntnisinteresse widmete man sich auch an der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Rahmen eigener Forschungsprojekte. Aus ihnen ging in den frühen 1990er Jahren eine „Arbeitsgruppe Soziale Infrastruktur“ hervor. Vier ihrer Mitglieder – um Karin Stiehr – gründeten auf dieser Basis 1991 das „Institut für Soziale Infrastruktur GbR“ als privates sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut.

Kernthemen der Anfangszeit

In den Anfangsjahren speisten sich die Schwerpunktthemen des Instituts maßgeblich aus diesem gesellschaftlichen Trend: Im Zentrum standen das bürgerschaftliche Engagement, insbesondere in der Senior:innenpolitik. Im Sinne der Idee der Aktionsforschung waren alle Projekte und Studien an ihrem Nutzen für die Praxis ausgerichtet. Sie verstanden sich als flankierendes Instrument, um sozialpolitische Ziele und Bedarfe passgenau umzusetzen.

Freiwilligendienste, Bürgerschaftlichen Engagement und Senior:innenpolitik

Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie diverser Landesregierungen wurde bis 2014 eine Vielzahl Forschungsarbeiten realisiert. Diese widmeten sich seniorengerechten Rahmenbedingungen der Freiwilligenarbeit ebenso wie der Rolle freier Träger:innen und Kommunen bei der Gestaltung von Engagement fördernden Strukturen. Das Institut initiierten und begleiteten in diesem Zusammenhang etwa die Ehrenamtskarte in mehreren Bundesländern, war an der Entwicklung des Konzepts der Engagement-Lotsen beteiligt und in der Qualifizierung und Beratung von Ehrenamtlichen aktiv.
Um den Erfahrungsaustausch zwischen Träger:innen, Freiwilligen und anderen Akteur: innen direkt zu unterstützen, wurden Verbreitungs- und Kommunikationsaktivitäten angestoßen und durchgeführt. Flankiert wurde dies durch zahlreiche Workshops und Fachtagungen.

Ein Themenschwerpunkt, der bis heute das Profil des Instituts prägt, ist das Altern. Damals wie heute geht es vor allem um:

  • Die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen
  • Ein gesundheitsbewusstes Altern durch Sport und Bewegung
  • Die Stärkung der Mitwirkungsrechte und Lebensqualität von Bewohner*innen von stationären Pflegeeinrichtungen
  • Die Verbesserung der Lebensbedingungen älterer Frauen in Europa

Netzwerkausbau und Europa

Das Institut beteiligte sich von Beginn an nicht nur an lokalen Projekten, sondern knüpfte gezielt ein Netzwerk mit europäischen Partnerorganisationen. Ein Engagement, von dem wir bis heute nachhaltig profitieren.

Ein Blick zurück in die 1990er Jahre verdeutlicht, wie sich die europäische Projektlandschaft gewandelt hat. Wo heute digitale Ausschreibungen und Online-Anträge den Alltag bestimmen, war damals echte Pionierarbeit gefragt: Projektideen wurden direkt vor Ort bei der Europäischen Kommission in Brüssel vorgestellt, um dort persönlich Unterstützung und Unterschriften für die Finanzierung einzuholen. Von den damals gewachsenen, langjährigen Kontakten zehren wir noch heute in unseren zahlreichen internationalen Kooperationen. Diese sorgen für einen Blick über den Tellerrand und den grenzüberschreitenden Austausch guter Ideen in der Sozial- und Bildungspolitik.

Neue Leitung und erweiterte Themenschwerpunkte

35 Jahre Sozialforschung spiegeln zugleich den Wandel gesellschaftlich und politisch relevanter Themen wider. Mit der geografischen und thematischen Vernetzung veränderte sich im Jahr 2004 auch die Gesellschafterinnenstruktur: Neue Partnerinnen an der Institutsspitze wurden Dr. Hannelore Jani (Paris) und Dr. Karin Stiehr (Frankfurt am Main), die sich im Rahmen europäischer Projekte im Bereich der Sozialgerontologie kennenlernten. Durch die Expertise von Dr. Hannelore Jani als Gerontologin wurden insbesondere die Themenbereiche Demenz und Pflege fest als Schwerpunkte des Instituts gesetzt.

Mehr über unsere Projekthistorie können Sie hier lesen.

Der Umzug ins Ökohaus

Im Jahr 2004 bezog das Institut außerdem neue Räumlichkeiten im Frankfurter Ökohaus. Die neuen Büroräume ermöglichten die unmittelbare Vernetzung und Zusammenarbeit mit vielen weiteren, ebenfalls im Sozial- und Bildungsbereich tätigen Organisationen.

Das Ökohaus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim fasziniert bis heute durch sein außergewöhnliches Konzept: Die begrünte Außenfassade, einen plätschernden Bach im Foyer und im Gebäude wachsende Bäume. Nachhaltigkeit steht hier an erster Stelle. Von natürlicher Klimatisierung und Kompensierung der Bodenversiegelung über Brauchwassernutzung bis hin zur dezentralen Stromerzeugung. Seit über 22 Jahren sind wir stolz darauf, Teil dieses innovativen Hauskonzepts zu sein. 

Namensänderung und Generationswechsel

Im Laufe der Jahre passte das Institut seine Rechtsform an und wurde im Jahr 2021 als gemeinnützig anerkannt. 2022 zog sich Dr. Karin Stiehr aus der Geschäftsleitung zurück und die langjährigen Mitarbeitenden Jana Eckert (die 2013 als Praktikantin begann) und Jesper Schulze (ab 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig) übernahmen als Doppelspitze die Geschäftsführung. 2025 wurde der Kreis der Gesellschafter:innen um Dr. phil. Katrin Fröhlich erweitert, die auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut tätig ist. 2026 erfolgte im 35. Jahr des Bestehens die Umbenennung in IFSI Institut für soziale Infrastruktur gGmbH. 

Mehr zu unseren aktuellen Mitarbeitenden erfahren Sie hier.

Gegenwart und Zukunft

Heute liegen die Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Alter und Ageismus, Gesundheit und Pflege, Teilhabe, Diskriminierung, Einsamkeit und lebenslanges Lernen. In diesem Rahmen realisieren wir sowohl lokale Projekte, Studien und Evaluationen im Großraum Frankfurt am Main, aber auch bundes- und europaweite Vorhaben gemeinsam mit unterschiedlichen Partnerorganisationen.

Wir danken unseren Kooperationspartner:innen herzlich für ihre jahrelange Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen. Voller Vorfreude blicken wir in die Zukunft und heißen alle kommenden Projekte, Mitarbeitende und Initiativen willkommen!
Mehr über unsere aktuellen Projekte erfahren Sie direkt auf den jeweiligen Projektseiten: